Prometheus.
Wie der süsse Dämmerschein
Der weggeschiednen Sonne
Dort heraufschwimmt
Vom finstern Kaukasus
Und meine Seel umgibt mit Wonneruh,
Abwesend auch mir immer gegenwärtig,
So haben meine Kräfte sich entwickelt
Mit jedem Atemzug aus deiner Himmelsluft.
Und welch ein Recht
Ergeizen sich die stolzen Bewohner des Olympus
Auf meine Kräfte?
Sie sind m e i n, und mein ist ihr Gebrauch.
Nicht einen Fusstritt
Für den obersten der Götter mehr!
J. W. Goethe, Prometheus. Dramatisches Fragment, 1773.
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Thursday, November 18, 2010
Friday, July 16, 2010
Mit ganzer Seele meinem Werk ergeben
Ich weiss, wie Zeit und Tod mit mir verfahren.
Verlassen war ich, jetzt bin ich verkannt.
In trägen, lahmen, lauen Kommentaren
zerbröseln sie den Sturm, den Kampf, den Brand.
Erschütternd kann ein Volk sich offenbaren,
das seinem Schicksal letzte Worte fand.
Ich wollte meinem Land die Sprache wahren
und bin ein düstrer Niemand diesem Land.
Nicht ich ging fort, ich wurde fortgestossen.
Nicht Trotz mehr, Gram ist meine Einsamkeit.
Und bin ich schuldig, bin ich es im Leiden.
Ich sterbe an der Zeit! An meinem grossen
Zugrundegehn hinwieder stirbt die Zeit.
Doch könnt ich Ewigkeit verleihn uns
beiden!
Josef Weinheber, Späte Krone. Langen Müller, München 1936.
Verlassen war ich, jetzt bin ich verkannt.
In trägen, lahmen, lauen Kommentaren
zerbröseln sie den Sturm, den Kampf, den Brand.
Erschütternd kann ein Volk sich offenbaren,
das seinem Schicksal letzte Worte fand.
Ich wollte meinem Land die Sprache wahren
und bin ein düstrer Niemand diesem Land.
Nicht ich ging fort, ich wurde fortgestossen.
Nicht Trotz mehr, Gram ist meine Einsamkeit.
Und bin ich schuldig, bin ich es im Leiden.
Ich sterbe an der Zeit! An meinem grossen
Zugrundegehn hinwieder stirbt die Zeit.
Doch könnt ich Ewigkeit verleihn uns
beiden!
Josef Weinheber, Späte Krone. Langen Müller, München 1936.
Sunday, July 11, 2010
Sommer

Am Abend schweigt die Klage
des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
der rote Mohn.
Schwarzes Gewitter droht
über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
erstirbt im Feld.
Nimmer regt sich das Laub
der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
rauscht dein Kleid.
Stille leuchtet die Kerze
im dunklen Zimmer;
eine silberne Hand
löschte sie aus;
windstille, sternlose Nacht.
Georg Trakl, Sebastian im Traum.
Wednesday, July 7, 2010
Les livres
Les livres, tous les livres. Cela m´effraie et m´attire. Avoir le temps de connaître, de plonger vers les mots. Quoi? Oui, j´ai aussi "l´âme d´un bibliophile", quel malheur! Et mes débts chez les libraires, tous tellement commerçants, même lorsqu´ils vous disent: "Bonne après-midi, Monsieur". Un autre me dit: "On ne sait si vous êtes riche ou pauvre, si vous avez la corde au cou". Il ne me comprend pas. Ce n´est pas lui qui doit me comprendre. C´est mon argent que j´économise sur mes besoins que lui porte. Je m´empare du livre, je fuis comme un voleur et POURTANT j´ai payé. Un autre m´a dit: "les livres c´est un vice". Je n´ai pas répondu. Très étonné d´entendre cela dans la bouche d´un commerçant. Ensuite, il y a encore un autre, il me regarde et mastique sa phrase: "Vous êtes extraordinaire". Je n´aime pas son compliment.
Ernest Gorbitz, La Longue randonnee, Editions Saint-Germain-des-Pres, Paris 1975.
Ernest Gorbitz, La Longue randonnee, Editions Saint-Germain-des-Pres, Paris 1975.
Thursday, April 1, 2010
Die Grenzen des Intellektualismus
Die Unerschrockenheit, zu sein und zu lieben, ist unter Menschen selten wie ein Diamant zwischen Kieseln.
Hans Henny Jahnn, Spur des dunklen Engels, Hamburg/München, Ugrino/Weismann, 1952.
Hans Henny Jahnn, Spur des dunklen Engels, Hamburg/München, Ugrino/Weismann, 1952.
Friday, February 19, 2010
Oneiromantis

Er bekämpft die schwarzen Fische,
Und ich soll ihn darum ehren.
Schwärzer ist er als die Fische,
Meinen Traumfisch will er speeren.
Eine Angel hat erdacht er,
Mit der er die Träume angelt.
Meinen Goldfisch soll sie angeln,
Weil ihm selbst das Traumgold mangelt.
Zwar es bringen ihm die Leute
Viele Träume ins Gehäuse,
Und sie müssen teuer zahlen,
Dass er darin sucht die Läuse.
Doch den Goldsfisch will er angeln
Und im Kolben ihn entgolden,
Lausegold ins Haus mir liefern
Für den Seelenfisch, den goldnen.
Friedrich Georg Jünger. In: Kritischer Kalender 1966, hrsg. von A. Paul Weber.
Thursday, September 4, 2008
Aquapark II
Welche Sprache hat das Unberührbare?
Ich triefe vor Unüberwindbarkeit.
Nur Du kannst die Hälfte sein zum Ganzen.
Das Ich, das nicht das Ganze ist.
Ich triefe vor Unüberwindbarkeit.
Nur Du kannst die Hälfte sein zum Ganzen.
Das Ich, das nicht das Ganze ist.
Thursday, July 3, 2008
Der Übermensch
Ich zeige Euch den Übermenschen. Er ist unmenschlich, denn er hat dem Gotte sich gefügt. Seine Augen erfrischen die ermatteten Landsknechte, die sich an seiner Seite wissen.
Wednesday, June 18, 2008
Londoners
Jung gealtert und erstarrt
scheint ihr mit euren Panzern
aus Unnahbarkeit und Chuzpe
durchschaut habe ich euch und bete
scheint ihr mit euren Panzern
aus Unnahbarkeit und Chuzpe
durchschaut habe ich euch und bete
Wednesday, November 7, 2007
Celebrating
the machines are dancing tango
rhythmic coolness of the masses
masks are solid now as we are humans
disembarking a marble ferry boat
rhythmic coolness of the masses
masks are solid now as we are humans
disembarking a marble ferry boat
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