Die Wertlehre feiert in der Erörterung der Frage des gerechten Krieges ihre eigentlichen Triumphe. Das liegt in der Natur der Sache. Jede Rücksicht auf den Gegner entfällt, ja sie wird zum Unwert, wenn der Kampf gegen diesen Gegner ein Kampf für die höchsten Werte ist. Der Unwert hat kein Recht gegenüber dem Wert, und für die Durchsetzung des höchsten Wertes ist kein Preis zu hoch. Hier gibt es dann infolgedessen nur noch Vernichter und Vernichtete. Alle Kategorien des klassischen Kriegsrechts des Jus Publicum Europaeum - gerechter Feind, gerechter Kriegsgrund, Verhältnismässigkeit der Mittel und das geordnete Vorgehen, der debitus modus - fallen dieser Wertlosigkeit hoffnungslos zum Opfer. Der Drang zur Wertdurchsetzung wird hier ein Zwang zum unmittelbaren Wertvollzug.
Carl Schmitt, Die Tyrannei der Werte, 1960.
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Wednesday, April 20, 2011
Friday, January 14, 2011
Das Erschaudern des Menschenfreundes II
30.12.2010
Hochtief vor Übernahme: Doch gerade diese Absprache mit der Gewerkschaft empört Hochtief-Mitarbeiter.
*
03.01.2011
Spaniens Raucher qualmen vor Wut: "Wie immer ist unsere Regierung über das Ziel hinausgeschossen. Wir sind doch nicht in Skandinavien!", empörtsich eine Frau.
*
04.01.2011
Der neue Dioxin-Skandal empört viele Konsumenten - und sorgt für Verunsicherung.
*
05.01.2011
Das Kommunismus-Bekenntnis von Linken-Chefin Lötzsch empört die Parteien.
*
06.01.2011
Der italienische Erstligist AC Florenz hat den rumänischen Nationalstürmer Adrian Mutu aus dem Team ausgeschlossen. Der 31-Jährige hatte unentschuldigt das Training verlassen. Club-Chef Andrea Della zeigte sich empört.
*
07.01.2011
Ex-BayernLB-Vorstand schwärzte sich selbst an. Demnach soll er sich bei Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl empört über Journalisten der Zeitung gezeigt haben.
*
10.01.2011
Das US-Justizministerium will die Twitter-Privatkorrespondenz einer isländischen Parlamentarierin auswerten, weil sie zeitweise WikiLeaks unterstützt hat. Isländische Regierungsvertreter reagieren empört.
*
11.01.2011
"Das Parfüm wird Ayana heißen", verkündet er. "Ayana war die große Liebe meines Lebens." Seine eifersüchtige Ehefrau empört sich: "Dieser Spleen mit den natürlich Inhaltsstoffen, was das alles kostet!"
*
12.01.2011
Unglück von Smolensk: Russischer Absturzbericht empört Kaczynski-Bruder.
*
13.01.2011
Stéphane Hessel hat seinen Lesern den schönen Satz geschenkt:
"Ich wünsche jedem Einzelnen von Ihnen einen Grund zur Empörung. Das ist sehr wertvoll. Wenn etwas Sie empört, wie mich die Nazis empört haben, werden Sie kämpferisch, stark und engagiert."
*
Alle sind gleich! Alle wissen alles! Alle können alles!
Hochtief vor Übernahme: Doch gerade diese Absprache mit der Gewerkschaft empört Hochtief-Mitarbeiter.
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03.01.2011
Spaniens Raucher qualmen vor Wut: "Wie immer ist unsere Regierung über das Ziel hinausgeschossen. Wir sind doch nicht in Skandinavien!", empörtsich eine Frau.
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04.01.2011
Der neue Dioxin-Skandal empört viele Konsumenten - und sorgt für Verunsicherung.
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05.01.2011
Das Kommunismus-Bekenntnis von Linken-Chefin Lötzsch empört die Parteien.
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06.01.2011
Der italienische Erstligist AC Florenz hat den rumänischen Nationalstürmer Adrian Mutu aus dem Team ausgeschlossen. Der 31-Jährige hatte unentschuldigt das Training verlassen. Club-Chef Andrea Della zeigte sich empört.
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07.01.2011
Ex-BayernLB-Vorstand schwärzte sich selbst an. Demnach soll er sich bei Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl empört über Journalisten der Zeitung gezeigt haben.
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10.01.2011
Das US-Justizministerium will die Twitter-Privatkorrespondenz einer isländischen Parlamentarierin auswerten, weil sie zeitweise WikiLeaks unterstützt hat. Isländische Regierungsvertreter reagieren empört.
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11.01.2011
"Das Parfüm wird Ayana heißen", verkündet er. "Ayana war die große Liebe meines Lebens." Seine eifersüchtige Ehefrau empört sich: "Dieser Spleen mit den natürlich Inhaltsstoffen, was das alles kostet!"
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12.01.2011
Unglück von Smolensk: Russischer Absturzbericht empört Kaczynski-Bruder.
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13.01.2011
Stéphane Hessel hat seinen Lesern den schönen Satz geschenkt:
"Ich wünsche jedem Einzelnen von Ihnen einen Grund zur Empörung. Das ist sehr wertvoll. Wenn etwas Sie empört, wie mich die Nazis empört haben, werden Sie kämpferisch, stark und engagiert."
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Alle sind gleich! Alle wissen alles! Alle können alles!
Tuesday, December 28, 2010
Das Erschaudern des Menschenfreundes
28.12.2010
Plan für Passagierselektion empört Politiker
*
27.12.2010
Chodorkowski-Urteil empört Menschenrechtler.
*
26.12.2010
Die afghanische Regierung ist empört über einen Anti-Terror-Einsatz von Isaf-Soldaten am Freitag.
*
24.12.2010
Hamburger Elternaufstand: Jochen Leffers ist empört - eine Abrechnung.
*
23.12.2010
Firmenpatriarch August Oetker ist zumindest empört darüber, wie Superreiche in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
*
22.12.2010
Ungarns intellektuelle Elite ist empört: Die angekündigte schärfere Medienkontrolle ist ein Maulkorb für die Presse.
*
21.12.2010
US-Star bezeichnet Schotten als Engländer. - Die Zuschauer zeigten sich empört, die Sängerin irritiert.
*
20.12.2010
Ex-SPD-Mann kandidiert für die NPD. - Die Sozialdemokraten reagierten empört.
*
17.12.2010
Japan rüstet sich gegen China. - China ist empört.
*
16.12.2010
Ameisen-Kruzifix empört Amerikas Rechte.
*
15.12.2010
Kosovo-Premier Thaçi soll an Organmafia beteiligt sein. - Die Regierung ist empört.
*
14.12.2010
Das britische Gericht verlangt, dass die Kaution in Höhe von 200.000 Pfund in bar hinterlegt wird - der Anwalt des WikiLeaks-Gründers ist empört.
*
13.12.2010
Guttenbergs "PR-Reise". - Neben der SPD ist auch die Linke über die Reiseumstände des Christsozialen empört.
*
12.12.2010
Kritik an Parteispitze: Kubickis DDR-Vergleich empört FDP.
*
11.12.2010
Del Pontes "schlechter Eindruck" im Vatikan. - Die Kurie, so die Juristin empört, "weigert sich völlig, mit uns zusammenzuarbeiten".
*
09.12.2010
Gabriel muss Afghanistan-Debatte fürchten. - Die Befürworter des Einsatzes sind empört.
*
08.12.2010
Einigung mit Republikanern. - Obamas Steuer-Deal empört Amerikas Linke
*
05.12.2010
Ehepaar Sarkozy. - Liebes-Trip ans Taj Mahal empört Touristen.
*
02.12.2010
Die seit Jahren gegen ihn schwelenden Anschuldigungen, er sei tief ins Opiumgeschäft verwickelt, weist er empört von sich.
*
Dank dem Sturmgeschütz der Demokratie immer am Feind! Immer voran!
Plan für Passagierselektion empört Politiker
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27.12.2010
Chodorkowski-Urteil empört Menschenrechtler.
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26.12.2010
Die afghanische Regierung ist empört über einen Anti-Terror-Einsatz von Isaf-Soldaten am Freitag.
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24.12.2010
Hamburger Elternaufstand: Jochen Leffers ist empört - eine Abrechnung.
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23.12.2010
Firmenpatriarch August Oetker ist zumindest empört darüber, wie Superreiche in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
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22.12.2010
Ungarns intellektuelle Elite ist empört: Die angekündigte schärfere Medienkontrolle ist ein Maulkorb für die Presse.
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21.12.2010
US-Star bezeichnet Schotten als Engländer. - Die Zuschauer zeigten sich empört, die Sängerin irritiert.
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20.12.2010
Ex-SPD-Mann kandidiert für die NPD. - Die Sozialdemokraten reagierten empört.
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17.12.2010
Japan rüstet sich gegen China. - China ist empört.
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16.12.2010
Ameisen-Kruzifix empört Amerikas Rechte.
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15.12.2010
Kosovo-Premier Thaçi soll an Organmafia beteiligt sein. - Die Regierung ist empört.
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14.12.2010
Das britische Gericht verlangt, dass die Kaution in Höhe von 200.000 Pfund in bar hinterlegt wird - der Anwalt des WikiLeaks-Gründers ist empört.
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13.12.2010
Guttenbergs "PR-Reise". - Neben der SPD ist auch die Linke über die Reiseumstände des Christsozialen empört.
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12.12.2010
Kritik an Parteispitze: Kubickis DDR-Vergleich empört FDP.
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11.12.2010
Del Pontes "schlechter Eindruck" im Vatikan. - Die Kurie, so die Juristin empört, "weigert sich völlig, mit uns zusammenzuarbeiten".
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09.12.2010
Gabriel muss Afghanistan-Debatte fürchten. - Die Befürworter des Einsatzes sind empört.
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08.12.2010
Einigung mit Republikanern. - Obamas Steuer-Deal empört Amerikas Linke
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05.12.2010
Ehepaar Sarkozy. - Liebes-Trip ans Taj Mahal empört Touristen.
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02.12.2010
Die seit Jahren gegen ihn schwelenden Anschuldigungen, er sei tief ins Opiumgeschäft verwickelt, weist er empört von sich.
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Dank dem Sturmgeschütz der Demokratie immer am Feind! Immer voran!
Friday, December 24, 2010
Ausnahmezustand
Nach Angaben eines Bahnsprechers war am Nachmittag die Strecke Hannover-Magdeburg wegen Vereisung der Oberleitungen gesperrt. In der Nacht zum Freitag mussten mehr als 700 Fahrgäste zwischen Berlin und Hannover in fünf liegen gebliebenen Zügen ausharren. Die Wagen seien jedoch beheizt gewesen und hätten Licht gehabt. Auch sei die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt gewesen.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-12/wetter-bahn-streckensperrung-eis
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-12/wetter-bahn-streckensperrung-eis
Saturday, December 11, 2010
Leerformel Gleichheit
Da der Liberale zwar weiss, was er nicht sein möchte, nicht aber was er positiv sein will, ist seine Ideologie bis heute eine Sammlung von unverbindlichen Allgemeinheiten geblieben. So hat der Liberalismus von den christlichen Kirchen (von denen er sich doch emanzipieren wollte) die Leerformel von der "Gleichheit aller Menschen" übernommen. Sie macht sich gut in feiertäglichen Reden, solange der Konsens nicht getrübt ist. In Krisenzeiten aber, immer wenn es "ernst" wird, weiss der Liberale nicht mehr weiter.
Wie soll er sich verhalten, wenn ein Fremder an die Tür klopft und diese Gleichheit einfordert, dabei aber seine Andersheit entweder nicht aufgeben will oder gar nicht aufgeben kann? Wie soll er reagieren, wenn ein Anderer, unter Berufung auf die Gleichheit aller Menschen, seinen Anspruch auf Anteil an der modernen Industriegesellschaft einklagt, obwohl ihm seine tief eingerastete Mentalität die Unterwerfung unter die asketische Industriedisziplin gar nicht erlaubt und er so über den Status des nicht qualifizierten Hilfsarbeiters nie hinauskommt?
Armin Mohler, Weltherrschaft des Liberalismus? In: Staatsbriefe. München 1990.
Wie soll er sich verhalten, wenn ein Fremder an die Tür klopft und diese Gleichheit einfordert, dabei aber seine Andersheit entweder nicht aufgeben will oder gar nicht aufgeben kann? Wie soll er reagieren, wenn ein Anderer, unter Berufung auf die Gleichheit aller Menschen, seinen Anspruch auf Anteil an der modernen Industriegesellschaft einklagt, obwohl ihm seine tief eingerastete Mentalität die Unterwerfung unter die asketische Industriedisziplin gar nicht erlaubt und er so über den Status des nicht qualifizierten Hilfsarbeiters nie hinauskommt?
Armin Mohler, Weltherrschaft des Liberalismus? In: Staatsbriefe. München 1990.
Saturday, November 27, 2010
Machtansprüche
Der existenzielle Ernst der Lage macht ... den Diskurs nicht nur unmöglich, sondern auch überflüssig, es sei denn, einer der Feinde zeigt sich geneigt, seine Identität (teilweise) aufzugeben bzw. die Objektivierung seiner Entscheidung zurückzunehmen.... Diesen Grundgegebenheiten kann niemand entgehen, so sehr er auch die Notwendigkeit des ’vernünftigen' Diskurses hervorhebt. Selbst dieser Akt hat aber einen polemischen Sinn, er... drückt... die Machtansprüche derjenigen aus, die die eigene starke Seite im Debattieren und Argumentieren erblicken, d.h. er artikuliert in sublimierter Form die Hoffnungen der Kleinbürger des Geistes, sie könnten härteren Kampfformen ausweichen, denen sie nicht gewachsen sind und in denen ihre Stimme und Existenz völlig bedeutungslos wäre.
Panajotis Kondylis, Macht und Entscheidung. Die Herausbildung der Weltbilder und die Wertfrage. Stuttgart, 1984.
Panajotis Kondylis, Macht und Entscheidung. Die Herausbildung der Weltbilder und die Wertfrage. Stuttgart, 1984.
Monday, November 15, 2010
Die Leitlinien unserer Politik
Es wäre immer noch möglich, dass die Deutschen aus ihrem alten Schimpfnamen sich nachträglich einen Ehrennamen machten, indem sie das erste unchristliche Volk Europas würde.
Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft III. 146 (1887).
Aber auch das Christentum kommt nicht zu kurz, denn es bestimmt die "Leitlinien unserer Politik", wie Merkel sagt. "Es ist ja nicht so, dass wir ein Zuviel an Islam haben, wir haben ein Zuwenig an Christentum", schickt sie hinterher. Die Deutschen sollten sich doch wieder mehr auf ihre Religion besinnen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-11/merkel-wahl-parteitag-karlsruhe?page=2
Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft III. 146 (1887).
Aber auch das Christentum kommt nicht zu kurz, denn es bestimmt die "Leitlinien unserer Politik", wie Merkel sagt. "Es ist ja nicht so, dass wir ein Zuviel an Islam haben, wir haben ein Zuwenig an Christentum", schickt sie hinterher. Die Deutschen sollten sich doch wieder mehr auf ihre Religion besinnen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-11/merkel-wahl-parteitag-karlsruhe?page=2
Tuesday, August 31, 2010
Der entscheidende Faktor
Die Banken sind vermöge ihrer Herrschaft über das (internationale) Finanzkapital allmählich aus der Rolle des Buchhalters der Volkswirtschaft zu den Organisatoren, zu Distributoren ihrer Erträge emporgewachsen. Schon das Gewicht dieser Tatsache verleiht ihnen politischen Einfluss.
Die Politisierung der Wirtschaft - das Motto, unter dem sich die politische Entwicklung der letzten 40 Jahre vollzog - ist das Werk des Finanzkapitals.
Das Finanzkapital als Kulminations- und Angelpunkt des modernen Wirtschaftslebens ist zu einem und zwar entscheidenden Faktor der inneren und äusseren Politik der heutigen Staatenwelt geworden.
Rudolf Freund, Die Genfer Protokolle, ihre Geschichte und Bedeutung für das Staatsleben Deutsch-Österreichs, Berlin und Leipzig 1924.
Die Politisierung der Wirtschaft - das Motto, unter dem sich die politische Entwicklung der letzten 40 Jahre vollzog - ist das Werk des Finanzkapitals.
Das Finanzkapital als Kulminations- und Angelpunkt des modernen Wirtschaftslebens ist zu einem und zwar entscheidenden Faktor der inneren und äusseren Politik der heutigen Staatenwelt geworden.
Rudolf Freund, Die Genfer Protokolle, ihre Geschichte und Bedeutung für das Staatsleben Deutsch-Österreichs, Berlin und Leipzig 1924.
Wednesday, August 25, 2010
Die totalitärste Ideologie
Das andere Verhängnis ist, dass die Menschheit im Osten wie im Westen inzwischen von der totalitärsten Ideologie beherrscht wird, die sie bisher hervorgebracht hat: der Lehre vom sogenannten "ständigen wirtschaftlichen Wachstum". Diese fordert nicht nur die Unterwerfung des Denkens wie frühere Ideologien, sondern auch des Verhaltens im Alltag: beim Arbeiten, Kaufen, Konsumieren und Wegwerfen. Diese totale Bindung aller Kräfte in ein System ist nur mit dem Einsatz der Menschen in einem Krieg vergleichbar; denn damals wurden auch alle für den Sieg mobilisiert. Dabei wurde keineswegs das Kriegsziel beschrieben (wie etwa: wie schön und angenehm das Leben danach sein würde), vielmehr: welche Schrecknisse die Niederlage des Deutschen Reiches zur Folge hätte. Nur damit wurde der "Endsieg" als einzig denkbares Ziel begründet, ohne dass dieses Ziel inhaltlich irgendwie definiert worden wäre.
Herbert Gruhl, Ein Planet wird geplündert. Die Schreckensbilanz unserer Politik. 1975.
Herbert Gruhl, Ein Planet wird geplündert. Die Schreckensbilanz unserer Politik. 1975.
Tuesday, August 17, 2010
Nach der Orgie
Wollte man den gegenwärtigen Stand der Dinge benennen, so würde ich sagen, wir befinden uns nach der Orgie. Die Orgie ist der explosive Augenblick der Moderne, der Augenblick der Befreiung in allen Bereichen. Politische Befreiung, sexuelle Befreiung, Entfesselung der Produktivkräfte, Entfesselung der destruktiven Kräfte, Befreiung der Frau, des Kindes, der unbewussten Triebkräfte, Befreiung der Kunst. Hochjubeln aller Repräsentations- und Antipräsentationsmodelle. Es war eine totale Orgie des Realen, des Rationalen, des Sexuellen, des Kritischen und Antikritischen, des Wachsstums und der Wachstumskrise. Wir sind alle Wege der Produktion und virtuellen Überproduktion der Objekte, der Zeichen, Botschaften, Ideologien und Vergnügungen gegangen. Heute ist alles befreit, das Spiel ist gespielt, und wir stehen gemeinsam vor der Frage: WAS TUN NACH DER ORGIE?
Jean Baudrillard, Transparenz des Bösen. Ein Essay über extreme Phänomene. Dt. Ausg., Merve, Berlin 1992.
Jean Baudrillard, Transparenz des Bösen. Ein Essay über extreme Phänomene. Dt. Ausg., Merve, Berlin 1992.
Tuesday, July 13, 2010
Gesinnungsdelikte
Bestimmte grundsätzliche Meinungen für konkrete Handlungen veantwortlich zu maschen, ist nur für "schreckliche Vereinfacher" möglich. Das zeigt das Beispiel des Nationalsozialismus, um den es heute beim Gesinnungsdelikt fast ausschliesslich geht. Er hat sich seine Ideologien aus den verschiedensten Bereichen der Geistesgeschichte eklektisch zusammengesucht und sie weidlich pervertiert. Es gäbe darum auch kaum eine "Geistesfamilie", die man über das Gesinnungsdelikt nicht für Auschwitz verantwortlich machen könnte; die Liste der Angeklagten würde nicht nur Turnvater Jahn und Treitschke einschliessen, sondern auch Rousseau, Darwin und Walt Whitman, nach einigen sogar . Goethe und Schiller.
Armin Mohler, Vergangenheitsbewältigung. Von der Läuterung zur Manipulation. Seewald, Stuttgart-Degerloch 1968.
Armin Mohler, Vergangenheitsbewältigung. Von der Läuterung zur Manipulation. Seewald, Stuttgart-Degerloch 1968.
Thursday, July 8, 2010
Slave mentality
Aber viel schlimmer als alle diese Nachteile war dies, dass die Fremdherrschaft jene seelische Haltung schuf, die Gandhi treffend mit dem Wort slave mentality bezeichnet hat, das heisst die aus dauerndem Sichduckenmüssen entstehende Furchtsamkeit, die in allen Situationen, wo Mannhaftigkeit verlangt wird, zur Charakterlosigkeit wird. Die Zeiten napoleonischer Fremdherrschaft haben uns ja selbst einen Verschmack dieser Gefahr gegeben.
[...]
Zwar nicht alles von der stolzen Würde des Inders war durch die Fremdherrschaft untergegangen. Aber wo sie noch vorhanden war, da durfte sie sich nur da äussern, wo sie den Briten nicht unbequem wurde.
J. W. Hauer, Indiens Kampf um das Reich, W. Kohlhammer, Stuttgart 1932.
[...]
Zwar nicht alles von der stolzen Würde des Inders war durch die Fremdherrschaft untergegangen. Aber wo sie noch vorhanden war, da durfte sie sich nur da äussern, wo sie den Briten nicht unbequem wurde.
J. W. Hauer, Indiens Kampf um das Reich, W. Kohlhammer, Stuttgart 1932.
Monday, June 21, 2010
Das Kometenjahr
Das Kometenjahr 1811, welches heute noch durch seinen Wein berühmt ist, leuchtete in dem Sinn der europäischen Menschen und auch in meinem Sinn mit der Erwartung und Hoffnung auf von gewaltigen Entscheidungen und Umwälzungen der Dinge, die da nächstens erfolgen würden.
Das kleine und dumme Volk träumte und schwatzte sich mit Ungeheuerlichkeiten von Krieg und Pest müde; die Frommen und die Gescheiten schauten mit sehr verschiedenen Gedanken, Gelübden und Gebeten zum Himmel empor, nicht in ihren Anfängen, aber wohl in ihren Enden der Gebete und Gedanken miteinander einstimmig. Ich, damals ein kleiner Professor in Greifswald, hatte mit vielen Tapfern schon spanische und tirolische Gedanken.
Ich empfand und wusste, dass ein sogenanntes allgemeines, alle Welt in Frieden und Faulheit zugleich begrabendes zweites römisches Imperatorenreich, wie der grosse Attila Europas es verkündigen und weissagen liess, eine Unmöglichkeit war. Ich hatte zu vielen Zorn und Hass in der Brust; ich wusste, dass gottlob viele, ja die meisten davon noch genug im Herzen trugen: es mussten noch gewaltige Kämpfe kommen.
Ernst Moritz Arndt, Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn von Stein, 1858.
Das kleine und dumme Volk träumte und schwatzte sich mit Ungeheuerlichkeiten von Krieg und Pest müde; die Frommen und die Gescheiten schauten mit sehr verschiedenen Gedanken, Gelübden und Gebeten zum Himmel empor, nicht in ihren Anfängen, aber wohl in ihren Enden der Gebete und Gedanken miteinander einstimmig. Ich, damals ein kleiner Professor in Greifswald, hatte mit vielen Tapfern schon spanische und tirolische Gedanken.
Ich empfand und wusste, dass ein sogenanntes allgemeines, alle Welt in Frieden und Faulheit zugleich begrabendes zweites römisches Imperatorenreich, wie der grosse Attila Europas es verkündigen und weissagen liess, eine Unmöglichkeit war. Ich hatte zu vielen Zorn und Hass in der Brust; ich wusste, dass gottlob viele, ja die meisten davon noch genug im Herzen trugen: es mussten noch gewaltige Kämpfe kommen.
Ernst Moritz Arndt, Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn von Stein, 1858.
Monday, June 14, 2010
Das Gesicht des Alltags
Die kapitalistische Restgruppe besitzt gegenüber allen anderen politischen Kräften in Deutschland zunächst den Vorteil äusserster Elastizität und vollständiger Unbelastetheit von ideellen, organisatorischen, personellen, nationalen oder sozialen Hemmungen. Sie bleibt deshalb in jeder Kombination, in jedem Bündnis der gar nicht ernst genug zu nehmende Andere.
Leopold Dingräve, Wohin treibt Deutschland? Eugen Diederichs, Jena 1932 (Tat-Schriften).
Leopold Dingräve, Wohin treibt Deutschland? Eugen Diederichs, Jena 1932 (Tat-Schriften).
Inhumanes Menschenrecht
Als es noch keine Menschenrechte gab, hatte sie der Vorzugsmensch. Das war inhuman. Dann wurde die Gleichheit hergestellt, indem man dem Vorzugsmenschen die Menschenrechte aberkannte.
Karl Kraus, Sprüche und Widersprüche. 1909.
Karl Kraus, Sprüche und Widersprüche. 1909.
Wednesday, June 9, 2010
Torheiten
Die persönlichen Interessenverflechtungen sind in einer durchentwickelten Volksgemeinschaft derartig vielgestaltig und wegen des Spezialistentums so unlösbar, dass es weder zu einer erhöhten Freiheit noch zu einer wirklichen Brüderlichkeit und vor allem niemals zu einer echten Gleichheit kommen kann. In jedem einzelnen der unzähligen Fachgebiete muss es stets Zuständigkeiten, Befehlsbefugnisse, Verantwortlichkeiten, Kritikverbote und Gehorsamsverpflichtungen geben. Das ganze komplizierte Gebäude der Zusammenarbeit würde sehr schnell auseinander brechen, wenn jedermann in jeder Sache über seine spezielle Berufung hinaus ein Mitbestimmungsrecht ausüben würde, und sei es auch nur in personellen Fragen.
In der Politik kann es sich nicht anders verhalten, und infolgedessen pflegen politische Diskussionen in einer Demokratie unfachlich und praktisch unfruchtbar zu sein. Sie bedeuten eine ungeheuerliche Kraft- und Zeitvergeudung, wie es immer der Fall ist, wenn sich Laien in fachliche Dinge einmischen - noch dazu ohne für ihre Torheiten zur Verantwortung gezogen werden zu können - oder wenn Staatsführungen ihre Massnahmen auf ein laienhaftes Verständnis abstimmen müssen.
Hans Domizlaff, Die Seele des Staates. - Die Geburtsfehler der Demokratie. Privatdruck, Hamburg 1957.
In der Politik kann es sich nicht anders verhalten, und infolgedessen pflegen politische Diskussionen in einer Demokratie unfachlich und praktisch unfruchtbar zu sein. Sie bedeuten eine ungeheuerliche Kraft- und Zeitvergeudung, wie es immer der Fall ist, wenn sich Laien in fachliche Dinge einmischen - noch dazu ohne für ihre Torheiten zur Verantwortung gezogen werden zu können - oder wenn Staatsführungen ihre Massnahmen auf ein laienhaftes Verständnis abstimmen müssen.
Hans Domizlaff, Die Seele des Staates. - Die Geburtsfehler der Demokratie. Privatdruck, Hamburg 1957.
Friday, May 21, 2010
Der maskierte Nihilismus
Zur Entmächtigung der alten Geist- und Ichwerte, vor allem des lebenleeren Ideals kosmopolitischer Gleichmacherei würde es gehören, den volkhaften Zusammenhang, wie er durch Eigen-Art, geschichtliches Schicksal und vor allem Sprache gegeben ist, mit liebender Sorgfalt zu pflegen, auf dass quer durch Berufe, Gesellschaftsschichten und "Klassen" das Gefühl des Verbundenseins durch Gedeih und Verderb und damit die Bereitschaft zum Opfer wieder erwache. Nationale Phrasen nützen uns allerdings nichts, denn auch der Nihilismus kann sich "vaterländisch" maskieren. Hier droht eine der allerschwersten Gefahren! Von patriotischen Reden benebelt, glauben welche, den gordischen Knoten mit einem Schwertstreiche lösen zu können. Nicht darum wird und darf es sich handeln, dass um der Macht willen mit Kanonen und Maschinengewehren Umsturz gespielt wird und dem Götzen "Staat" ein neues Blutopfer gebracht würde, sondern einzig und allein darum, dass die Werte unseres Volkstums da gesucht werden, wo sie wirklich sind, und zu neuer Geltung und Wirkung gelangen. Kindische Selbstverblendung aber ist die chauvinistische Verachtung anderer Völker.
Hans Kern, Weltanschauung. Berlin 1931.
Hans Kern, Weltanschauung. Berlin 1931.
Monday, May 17, 2010
Diese Diktatur ist man uns schuldig
Letztlich verbringen wir neun Zehntel unseres Lebens in den Symbolen und in den Träumen, da neun Zehntel des Daseins, das heisst: der lebendigen Lust, uns unbekannt oder verboten sind. Auch auf die Träume wird früher oder später Hatz gemacht werden. Diese Diktatur ist man uns schuldig.
[...]
Wenn wir beobachten, mit welchen abgestandenen Vorurteilen, mit welchem verrotteten Gewäsch sich der absolute Fanatismus von Millionen angeblich entwickelter Individuen nähren kann - Individuen, die in den besten Schulen Europas ausgebildet sind-, dann dürfen wir uns wohl fragen, ob beim Menschen in seinen Gesellschaften nicht bereits endgültig der Todestrieb den Lebenstrieb beherrscht.
[...]
Der einmütige gegenwärtige Sadismus entspringt vor allem einem Verlangen nach Nichts, das tief im Menschen und vor allem in der Masse der Menschen angelegt ist, so etwas wie eienr nahzu unwiderstehlichen, einmütigen verliebten Ungeduld nach dem Tode. Mit Koketterien natürlich, mit tausend Ableugnungen; aber der Tropismus existiert, und das umso sichtbarer, als er völlig geheim und schweigend ist.
Louis-Ferdinand Céline, Hommage à Zola. Gehalten in Médan am 1. Oktober 1933.
[...]
Wenn wir beobachten, mit welchen abgestandenen Vorurteilen, mit welchem verrotteten Gewäsch sich der absolute Fanatismus von Millionen angeblich entwickelter Individuen nähren kann - Individuen, die in den besten Schulen Europas ausgebildet sind-, dann dürfen wir uns wohl fragen, ob beim Menschen in seinen Gesellschaften nicht bereits endgültig der Todestrieb den Lebenstrieb beherrscht.
[...]
Der einmütige gegenwärtige Sadismus entspringt vor allem einem Verlangen nach Nichts, das tief im Menschen und vor allem in der Masse der Menschen angelegt ist, so etwas wie eienr nahzu unwiderstehlichen, einmütigen verliebten Ungeduld nach dem Tode. Mit Koketterien natürlich, mit tausend Ableugnungen; aber der Tropismus existiert, und das umso sichtbarer, als er völlig geheim und schweigend ist.
Louis-Ferdinand Céline, Hommage à Zola. Gehalten in Médan am 1. Oktober 1933.
Wednesday, March 31, 2010
La machine c'est l'infection même
« Comme Résurrection c'est fadé !... La machine c'est l'infection même. La défaite suprême ! Quel flanc ! Quel bidon ! La machine la mieux stylée n'a jamais délivré personne. Elle abrutit l'Homme plus cruellement et c'est tout !... J'ai été médecin chez Ford, je sais ce que je raconte. Tous les Fords se ressemblent, soviétiques ou non !... Se reposer sur la machine, c'est seulement une excuse de plus pour continuer les vacheries. C'est éluder la vraie question, la seule, l'intime, la suprême, celle qu'est tout au fond de tout bonhomme, dans sa viande même, dans son cassis et pas ailleurs !... Le véritable inconnu de toutes les sociétés possibles ou impossibles... Personne de ça n'en parle jamais, c'est pas "politique" !... C'est Tabou colossal !... La question "ultime" défendue ! Pourtant qu'il soit debout, à quatre pattes, couché, à l'envers, l'Homme n'a jamais eu, en l'air et sur terre, qu'un seul tyran : lui-même !... »
Louis-Ferdinand Céline, Mea Culpa, Éditions Denoël, Paris, 1936.
Louis-Ferdinand Céline, Mea Culpa, Éditions Denoël, Paris, 1936.
Wednesday, February 24, 2010
Simulierte Heterogenität
Nicht zuletzt den provokanten Büchern Guillaume Fayes verdanken wir, dass die Verwirrung um den uns so vertrauten Gegensatz von Konservatismus und Fortschritt zunimmt. Bereits in seinem furiosen Einstandswerk "Le Système a tuer les peuples" (Paris: Copernic, 1981) erwies sich Faye als dynamischer Denker der neuen Kultur, der gegen den totalitären Merkantilismus in humanitaristischem Gewande kämpft und für die Rechte der Völker - aller Völker! - eintritt. Er plädierte für Selbstbestimmung, kulturelle Identität und ein Recht auf Anderssein. Damals zeigte er den vollzogenen Übergang unserer Gesellschaften von der Zivilisation zum "System": Unser Dasein - so Faye - ist geprägt von der morbiden, systembedingten Amerikanosphäre, einem Zustand sozialer Entropie.
Auch in seinem Buch über die Neue Konsumgesellschaft - für Faye kurz "La NSC" - setzt sich der Autor mit Rationalismus und Egalitarismus auseinander. Zwar erfährt der Leser wenig über eine pragmatische Zielorientierung, mit der die Krise der Gegenwart überwunden werden soll. Jedoch wird der Widerspruch, den seine Ausführungen auslösen können, ein Indikator dafür sein, wann unsere Krise zu Ende gedacht und gelebt wird.
Faye beherrscht die a-moralische Sichtweise; daher die Präzision seiner Beobachtungen. Er erkennt Hedonismus und Konsummanie als kardinale Werte der Neuen Konsumgesellschaft und liefert anschauliche Beispiele dafür, dass der Beginn des Zeitalter des homo consummans (gefülltes Portefeuille kombiniert mit kleinbürgerlichem Geist) hinter uns liegt. Ihm gelingt es, den Begriff der Lebensqualität und das Dogma des ökonomischen Wohlstands einer luziden Kritik zu unterziehen. Lebensintensität wird von der Neuen Rechten zur Tugend zukünftigen Menschseins erkoren.
Fayes Kernausse, durchaus ein Ansatz zu eine rkritischen Theorie, lautet: Wo früher vertikale (regionale, nationale) Differenzen vorherrschten, dominiert heute - Folge des Egalitarismus - eine horizontale, nur simulierte Heterogenität. Diese löste eine soziologisch heterogene und kulturell gemeinsame Gesellschaftsstruktur ab. Unsere Zivilisation, das System, ist hingegen soziologisch homogen und gerade kulturell atomisiert. Faye sieht die Neue Konsumgesellschaft als gigantisches Theater; Konflikten drohe die Unbegrenzbarkeit.
Was tun? Ohne Eskalaton werde es keine historische Erneuerung geben. Möglich, dass Faye sich als positiver Nihilist einer postmodernen Neuen Rechten verstanden wissen will. Seine symbolträchtige Anlehnung an den Gott Dionysos - dionysische Freuden sind Fayes Programm für die Posthistoire - will nachvollzogen sein: Denn der fernen Rückkehr des Apoll gilt es zu harren. Für Autor und Leser keine ungefährle Aporie; nicht alle Triebhaftigkeiten des Gehirns bewahren die Maske einer Errungenschaft des Geistes.
Aufmerksamkeit ruft Fayes Rezeption der unorthodoxen Soziologen Jean Budrillard und Michel Maffesoli hervor. Im westlichen Nachbarland verlieren Links-Rechts-Schemata ihre Argumentationswirkung. Die Mühe lohnt, über subtile Grenzüberschreitungen nachzudenken. Erste Reflexionen ergeben ein faszinierendes Relief.
Guillaume Faye, La NSC - La Nouvelle Société de Consommation. Le Labyrinthe, Paris 1984. Buchbesprechung in: DESG-inform, 3/85,
Auch in seinem Buch über die Neue Konsumgesellschaft - für Faye kurz "La NSC" - setzt sich der Autor mit Rationalismus und Egalitarismus auseinander. Zwar erfährt der Leser wenig über eine pragmatische Zielorientierung, mit der die Krise der Gegenwart überwunden werden soll. Jedoch wird der Widerspruch, den seine Ausführungen auslösen können, ein Indikator dafür sein, wann unsere Krise zu Ende gedacht und gelebt wird.
Faye beherrscht die a-moralische Sichtweise; daher die Präzision seiner Beobachtungen. Er erkennt Hedonismus und Konsummanie als kardinale Werte der Neuen Konsumgesellschaft und liefert anschauliche Beispiele dafür, dass der Beginn des Zeitalter des homo consummans (gefülltes Portefeuille kombiniert mit kleinbürgerlichem Geist) hinter uns liegt. Ihm gelingt es, den Begriff der Lebensqualität und das Dogma des ökonomischen Wohlstands einer luziden Kritik zu unterziehen. Lebensintensität wird von der Neuen Rechten zur Tugend zukünftigen Menschseins erkoren.
Fayes Kernausse, durchaus ein Ansatz zu eine rkritischen Theorie, lautet: Wo früher vertikale (regionale, nationale) Differenzen vorherrschten, dominiert heute - Folge des Egalitarismus - eine horizontale, nur simulierte Heterogenität. Diese löste eine soziologisch heterogene und kulturell gemeinsame Gesellschaftsstruktur ab. Unsere Zivilisation, das System, ist hingegen soziologisch homogen und gerade kulturell atomisiert. Faye sieht die Neue Konsumgesellschaft als gigantisches Theater; Konflikten drohe die Unbegrenzbarkeit.
Was tun? Ohne Eskalaton werde es keine historische Erneuerung geben. Möglich, dass Faye sich als positiver Nihilist einer postmodernen Neuen Rechten verstanden wissen will. Seine symbolträchtige Anlehnung an den Gott Dionysos - dionysische Freuden sind Fayes Programm für die Posthistoire - will nachvollzogen sein: Denn der fernen Rückkehr des Apoll gilt es zu harren. Für Autor und Leser keine ungefährle Aporie; nicht alle Triebhaftigkeiten des Gehirns bewahren die Maske einer Errungenschaft des Geistes.
Aufmerksamkeit ruft Fayes Rezeption der unorthodoxen Soziologen Jean Budrillard und Michel Maffesoli hervor. Im westlichen Nachbarland verlieren Links-Rechts-Schemata ihre Argumentationswirkung. Die Mühe lohnt, über subtile Grenzüberschreitungen nachzudenken. Erste Reflexionen ergeben ein faszinierendes Relief.
Guillaume Faye, La NSC - La Nouvelle Société de Consommation. Le Labyrinthe, Paris 1984. Buchbesprechung in: DESG-inform, 3/85,
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